Archive für 27.2.2008

Volksbus

Da ich am Montag zu spät gecheckt habe, dass ich mich um ein Busticket kümmern sollte (vielleicht lagen mir noch die beiden letzten Tage in den Beinen :-) ) bin ich auch am Montag noch bei den Kerschers geblieben, die mich Gott sei Dank nicht ganz so schnell loshaben wollten! Wir haben also noch die Deutsche Schule angeschaut. Feines Gelände, Hut ab sag ich da nur! Wenn es Winter ist übernimmt das der Wind der hier durch das offene Schulhaus pfeift, ansonsten wenig zu beanstanden (mit der Ausnahme, dass ich hier noch nicht arbeite! ;-) ). Danach ein feines Risotto und eine Runde am Strand. Beides der Rede wert! Aber der wahre Gentleman genießt und schweigt! Ich habe schon über Valparaíso ewige Schwärmereien und Lobeshymnen verbreitet, darum will ich mich jetzt mal zurückhalten ]:-)

Im Turbus ging es also dann man Dienstag früh um 7 Uhr los in Richtung Talca, wo ich einen kleinen Zwischenstopp vor Temuco machen will. Fünf Stundem fahrt also in einem bequemen Mercedes-Benz-Bus der am Heck stolz den übergroßen Aufkleber “Made in Brasil” trägt. Na, das ist doch mal schön. Die Konkurrenz fährt mit dem ebenso schicken Modell “Volksbus” von VW, als Logo leisten sich die Wolfsburger (oder Brasilianer? Ich weiß nicht!) allerdings nur einen Aufkleber. Der sieht im Vergleich zum Blech-Benz-Logo etwas schäbig aus, die Innenausstattung ist aber gleich bequem. So mache ich es mir also mit Musik gemütlich und sinniere über andere Automarken jenseits von VW die hier Busse machen und zu Hause nicht. Vauxhall ist hier ja auch Chevrolet, aber ein Astra ist es allemal. “Valpo war schöner” denke ich mir und meine damit nicht nur die Globalisierung sondern vor allem die Orte südlich von Santiago. Aus meinen Träumereien weckt mich der Fernseher über mir. Das Columbia-Logo ist noch zu sehen, dann fällt das Bild aus, der Ton ist aber immer noch nervtötend! Ich habe ja bereits in einem anderen Beitrag gesagt, dass die Busse hier gerne Flieger wären. dazu gehört natürlich obligatorisch das Vorführen eines Films. Nach 45 Minuten stellt sich das Bild wieder ein und ich erkenne, dass ich “Hollywood Cops” gehört habe. Feine Sache, Harrison Ford auch mal Spanisch reden zu hören. Die Landschaft wird grüner, die Häuser ärmlicher aber nicht schlimm. Personalisierte Werbung saust an mir vorbei: so wirbt eine Baufirma für ihre Ziegel mit der Behauptung, in Talca baue man nur mit ihrem Produkt. Eine Apothekenkette schließt sich kurz darauf an und sagt “In Talca gibt es kein Kopfweh!” Na dann, auf nach Talca, denk ich mir. “In Talca ist niemand allein” teilt mir eine nationale Versicherung einen Kilometer später mit. Gute Sache so eine Werbefirma, da hat man mal eine gute Idee und für etwas Kleingeld darf jeder mal den feinen Spruch auf sich ummünzen. “In Talca tragen die Leute Schuhe” denke ich mir als ich eine Werbetafel mit einem Lederschuh erkenne. War aber nix, langweilige Werbung ohne den “innovativen” Spruch von eben. Ach was soll’s, wir sind eh schon da. Noch mal kurz auf den Topf hinten im Bus und schon sind wir im Terminal. Ich wehre mich irgendwie “Busbahnhof” zu sagen, aber ich glaube das ist das deutsche Wort oder? Klingt jedenfalls irgendwie komisch. Anregungen bitte als Kommentare zum Eintrag!!! Egal, alle Chilenen fahren jedenfalls Bus und dem entsprechend groß sind auch die Terminals (dieses Wort transportiert so schön die hier angestrebte Flughafensymbolik, toll!). Auch so ein Nest wie Talca hat gleich mal 30 davon und alle sehen rege benutzt aus. Kein Wunder: billiger (rund 10€ von Viña bis Talca) als mit Bus geht es nicht! Alle fahren mit, VW hat also mit seinem Modellnamen echt den Nerv getroffen. Das hat aber auch der Leiter des Casa Chueca, für mich jedenfalls. Gut 10 km außerhalb Talcas, mit dem Bus locker und für 20 Cent zu erreichen, lasse ich es mir allein im 6er-Zimmer oder am Pool gut gehen. Schön der Kontrast zur Stadt!!! Absolute Ruhe und Entspannung, bevor es dann wieder auf einen Berg geht, diesmal etwas näher an den Anden.

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