Archive for März 1st, 2008

Der steinige Weg zum Berg

Samstag, März 1st, 2008

Am ersten Tag (Ankunft) in Talca hab ich erstmal gechillt und mir von der Sonne den Bauch wärmen lassen. Hier war ja bislang immer Sonne, was heißt, dass ich schon schön braun geworden bin – am Hals und an den Unterarmen! Um nun also den Rest etwas anzugleichen habe ich mich an den Pool gelegt und mit einem Stuttgarter Pärchen eine Wanderung im nahe liegenden Nationalpark ausgemacht. Am nächsten Tag um 8 Uhr morgens ging es also in deren Mietauto, einem Chevrolet Corsa, Richtung Nationalpark. Die Wanderung war genial! Wieder einmal wunderbare Aussicht in die Anden, diesmal etwas näher als auf der Campana, aber ich will hier nicht wieder Naturbeschreibungen aufzählen und schwärmen wie toll doch alles ist. Der Weg zum Park war im nachhinein die wahre Sehenswürdigkeit!!!

Im Hotel sagen sie es sind circa 14 km sobald man die Teerstraße verlässt. Aber die Strasse würde gerade erneuert, egal. Wir verlassen also die Teerstraße und sehen schon die Baustelle: Sieht eher so aus, als würde die Strasse neu gebaut. Vor uns warten schon zwei Autos um die eine Geröllspur auf der nicht gebaut wird, zu passieren. 15 min später kommt dann mal ein Auto entgegen, der Fahrer überreicht dem Aufpasser einen Staffelstock und fährt weiter (geile Idee, oder?). Jetzt sind wir dran. über das pure Geröll geht es 3 km, von Strasse ernsthaft keine Spur, auch von Bauarbeiten nicht! Am Ende der einen Spur befindet sich wieder ein Aufpasser, der Fahrer hinter uns gibt brav Stöckchen. 2 km auf einer grauenhaften Schotterstraße kommt uns ein Baufahrzeug entgegen; und sie bauen doch! Jedenfalls schütten sie Kies auf den Boden, so sehen auch die nächsten 3 km aus. Danach geht’s wieder einspurig über eine abenteuerliche Holzbrücke.  Jetzt sieht man sie auch, drei Arbeiter schaufeln irgendwas hin oder her, man erkennt es auf Grund der Langsamkeit ihrer Bewegungen kaum. Und wieder sind rund 5 km geschafft. Doch anstatt des Nationalparks finden wir großes Straßenbaugerät bei der Arbeit. Ein Bagger verbreitert die Spur, von echten Straßenarbeiten keine Spur. Es geht nochmal über eine Holzbrücke, danach über eine bereits fertige Betonbrücke. Das ist echte Erholung!!! Nach 20 km derbste Schotterstraße endlich mal 300 m Beton/Teer! Wahnsinn! Die Stoßdämpfer und unsere Hintern vibrieren noch nach als es schon wieder losgeht. Hier wird nicht mehr gebaut, es folgen 10 km Schotterstraße, die so sein soll wie sie ist. Absolut nervtötend! Vorbei an Campingplätzen und Pensionen geht es und wir fragen uns warum in Dreiteufelsnamen es die Chilenen nicht schaffen mal wenigsten ein Stück der Strasse fertig zu machen? Hier werden 20 km Strasse auf einmal gebaut, jeder Arbeitsschritt von den gleichen 10 Typen, die nochmal 10 Typen brauchen um ihren Bauabschnitt zu sichern und obendrein arbeiten sie meistens mit Schaufeln! Wahnsinn! Kein Wunder das ein 2 km Stück Strasse in Santiago, das 1997 bereits fertig sein sollte, immer noch keine Teerdecke hat, die Arbeiter sind noch hier und schaufeln Dreck! 😀

Naja, die Wanderung hat die „14 km“ entschädigt. Vielleicht haben die hier auch eine andere Meter zu Kilometerumrechnung, denn auf dem Kilometerzähler im Auto standen am Nationalpark nicht 14 sondern fast 40 km mehr als auf dem Straßenschild an der Abzweigung vor der Baustelle! Mir soll’s wurscht sein, nur die beiden Stuttgarter hatten etwas Sorgen um ihr Mietauto, völlig zurecht, der der Rückweg war ja genauso krass!!!

Am letzten Tag in Talca hab ich es nochmal ruhig angehen lassen. Und jetzt, ja jetzt bin ich in Temuco und werde mal schauen was der Ort bringt!