Letzten Mittwoch war ich mit den anderen neuen Kollegen bei zwei Schamanen, oder Machi (das „ch“ immer wie „tsch“) wie man hier sagt. Das ist nötig, weil die Machi, meist Frauen aber auch Männer, die höchste Respektsperson des Stammes sind und deshalb müssen sie sich uns natürlich erst einmal anschauen bevor wir die Ehre haben Mapuchekinder unterrichten zu dürfen. Wir fahren also bis weit hinter Chol Chol um dort in der Hütte/Haus der Machi (Mann und Frau, die auch zusammen wohnen, was ungewöhnlich ist) zusammen zu essen.
Um das Haus laufen Schweine, Hühner, Truthähne sowie Hunde und Katzen, so riecht es dann auch. Alles hier ist sehr traditionell, besonders die Türen, mit ca. 1,70 m hohem Durchgang. Im Haus ist es dunkel. Bilder von Pferden, alte schwere Holzmöbel, stammesübliche Instrumente und Schmuckstücken, die auf den ersten Blick wie Traumfänger aussehen, zieren die Wände. Die Machi steht hinter einem großen aber niedrigen gusseisernen Ofen und kocht, während der Machi andächtig am Tisch sitzt und Tee trinkt als wir leise und respektvoll eintreten. Wir werden überschwänglich begrüsst mit „Mari Mari“ begrüsst, dem Gruß in Mapudungun. Der Machi ist echt sehenswert: Ein kleiner runder Mann mit einem Kopf so Rund wie sein Bauch und kurzen Fingern an einer riesigen Hand. Sehr eindrucksvoll, ohne dass er etwas macht verbreitet er Respekt und Ehrfurcht wie die Luft die den Raum ausfüllt. Seine Frau, die Machi, ist ebenso klein und rund wie er. Ihr Gesicht ist sehr typisch indigen: rund, mit hohen Wangenknochen und runden dicken Pausbacken, die aufgrund ihres alters nicht mehr ganz so füllig sind wie in ihrer Jugend, was ihren Gesicht mit den Tränensäcken eines Horst Tappert die Züge ähnlich einer Bulldogge verleit, aber freundlich. Das folgende Gespräch beim Essen geht über die Kultur der Mapuche und Religon im Allgemeinen. Der Machi war während der Diktatur gläubiger Katholik und findet auch heute noch viel Gutes am Papst, weil er bei seinem Chilebesuch gesagt hat die Mapuche sollen ruhig ihre Kultur bewahren, weil sie kostbar sei und Gott nichts gegen sie habe, er hat ja auch die Mapuche gemacht. Das verschafft Respekt. Der Papst ist in Chile eh gern gesehen, zumindest Johannes Paul II., weil er den Krieg zwischen Chile und Argentinien über Feuerland durch Verhandlungen abgewandt hat. Daran müssen sich die Protestanten hier messen lassen und schneiden dementsprechend schlecht ab in der allgemeinen Ansicht. Auch der Machi findet harte Worte, danach höre ich nicht mehr zu, ich bin müde vom vielen Zuhören und schaue mir lieber den Machi an. Seine Finger haben sicherlich einen Durchmesser von 3 oder mehr cm. Wahnsinn auch die beiden Ringe an seinen Ringfingern: schlichtes massives Silber mit einem großen Stern in der Mitte. Auf dem Kopf bindet ein Stirnband die langen grauen Haare nach hinten. Ein pfannenkuchengroßes Stück Fleisch verschwindet hinter seinen Händen, als es wieder auf dem Teller erscheint fehlt ein riesiges Stück, dass er mit seinen wenigen Zähnen herausgerissen hat. Ich glaube sein Mutter nannte ihn „Stiernacken“, ich hätte es jedenfalls getan, auch wenn das kein katholischer Heiliger ist. Wenn er lacht zucke ich fast, so laut drückt er die Luft aus seinem massiven Brustkorb den kurzen wurstigen Hals heraus. Auch die Machi hat ein Kreuz bei dem ein jeder Profischwimmer erblasst, auch die männlichen. Und so schaue ich und mache mir Gedanken, ein Vergleich dümmer als der andere, trinke Tee und schon fahren wir auch wieder. Nachdem der Machi nichts gegen mich hat, warum auch, er hat mich nichts gefragt, weil er dachte ich spreche kein Spanisch. Auf der Heimfahrt freue ich mich, dass ich nicht der einzige bin der das Genuschel von Don Roberto nicht immer versteht.
Fotos gibt es natürlich keine, weil die Machi das strikt ablehnen! Das wird sich auch die zwei Monate nicht ändern und auch für alle weiteren Feier etc. gelten! Schade, aber das muss man akzeptieren.