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Schulalltag

Sonntag, März 16th, 2008

Nachdem der Schulanfang vom offiziellen Beginn (nun schon) vorletzte Woche auf letzte Woche wegen Wassermangels verschoben wurde, rollten die Schulbusse nun an und es fand eine Begrüßung der Schüler durch den Schulleiter, die Direktorin und alle Lehrer statt. Wie sich das eben so gehört. Mir hatte niemand was gesagt, drum stand ich etwas nervös vor den 105 Kindern die mich mit großen braunen Augen ansahen und mehr oder weniger stramm in Reihe standen. Man kann die websigen Erstklässler ja verstehen, sind ja auch zum ersten mal weg von Mama, ruhig stehen ist da nicht drin. Die teure Schuluniform ist auch meist etwas zu groß, sofern man sie sich überhaupt leisten konnte. Ich rede also mal auf Spanisch drauf los, sage was ich sagen kann, einfallen würde mir mehr! Danach spricht auch noch der Hausmeister ein Machtwort über den Umgang mit dem Gemäuer und den Pflanzen, alle schauen aufmerksam, ob sie zuhören weiß ich nicht, denn das eine blinde und somit weißliche Auge von Don Jorge ist auch für mich eine enorme Ablenkung. Schule ist danach dann nur bedingt, weil es der Schule neben Wasser auch an einer Englischlehrerin mangelt, diese gibt auch andere Fächer, also kann ich den Ausfall nur bedingt kompensieren. So werden Formalien besprochen, der Schulbeginn für die vergangene Woche von 9:00 auf 10:00 Uhr angesetzt und den Schülern frei gegeben. Feine Sache!

Die nächsten Tage sind nicht viel anders, es wird spät begonnen und nur Unterricht „light“ gemacht. Für mich heißt das milde Vokabelarbeit in der 5. und 6., die von Englisch keinen Plan haben. Wir lernen also die Farben und malen etwas was diese Farbe hat, das ist für manche so schwer, dass wir die Nummern natürlich nicht mehr schaffen. Uno wird dann wohl morgen gespielt. Denkste, die Farben, geschweige denn deren Englische Namen sind natürlich nicht hängen geblieben. Uno wird demnach die ganze Woche nicht gespielt. Mit ihnen gar auf Englisch zu Kommunizieren ist ein weit entfernter Wunschtraum, der sehr, sehr viel Optimismus bedarf. Diesen kann ich aber beim besten Willen nach dem Sondieren des Wissensstands der 7. und 8. nicht mehr aufbringen. Gut, dass die 7. und 8. ein Projekt machen muss und ich nur die 5. und 6. habe, die ja bekanntlich wegen Raummangels kombiniert (werden sie auch bleiben), das macht die Sache leichter, das Englischunvermögen ist eh gleich. Um 14:00 Uhr (statt 17 Uhr) ist Schluss, wegen Wassermangels. Wir haben zwar Wasser in Eimern, aber der Stundenplan steht ja auch noch nicht, drum macht es wenig sinn Unterricht zu halten sagt die Direktorin den Lehrern, den Schülern und Eltern sagt sie das nicht. So vergeht eine Woche Schule und nicht viel ist passiert, außer dass das Schulessen nicht besser ist als das Mensaessen und ich seither einen milden Durchfall habe. Gut dass es Wasser in Eimern gibt!

Das Wasser scheint aber zu kommen! Arbeiter buddeln ca. einen, manchmal auch zwei Meter im Garten entlang von der Hecke zum Wasserturm. Als ein LKW mit Wasser kommt um die Zisterne zu füllen scheint sie das so zu erstaunen, dass sie für eine Stunde nicht arbeiten können. Danach ist Siesta. Drei Stunden später sehen sie das bereits Vollbrachte und gehen zufrieden nach Hause zu ihren Familien. So geht das die ganze Woche und ein zuständiger vom Staat meldet sich und berichtet, die Arbeiten gingen gut voran, aber die Fertigstellung dauere trotzdem länger, jetzt bis etwa Mai statt April.

– Ohne Kommentar meinerseits –

Und immer fragen mich die Leute wie es wohl ist hier in Chile zu unterrichten, aber leider kann ich es nicht sagen. Ich weiß es einfach nicht! Auch nach zwei Wochen Schule nicht. Aber Morgen geht es dann los, denn seit Freitag gibt es Stundenpläne, und eine Englischlehrerin gibt es nun auch! Viel Glück kann ich ihr da nur wünschen! 😀